„Heute dürft ihr noch schunkeln und lachen, morgen müsst ihr zwei Kreuze machen“, zum ersten Mal fand die Prunksitzung des GV Frohsinn Rot an einem Vorabend zu einer Bundestagswahl statt, schon allein deshalb würden die Darsteller in die Geschichte eingehen, so die vielversprechende Ansage des Sitzungspräsidenten Michael Back zur Begrüßung. Bereits zuvor gab es Guggemusik satt mit den „Stobblhobblä“ aus Forst. Mit sichtbar guter Laune und vollem Körpereinsatz präsentierten sie Stimmungssongs wie „Let me entertain you“ von Robbie Williams oder „Männer sind Schweine“ von den Ärzten.
Ebenfalls auf ein Arrangement eingängiger Popsongs wie „Back to the start“ von Michael Schulte wirbelte die Juniorengarde sodann mit dem ersten Gardetanz über die Bühne. Die von Emilia Lang sowie Jule und Lara Michenfelder trainierte Gruppe im Alter von 7 bis 13 Jahren überzeugte durch schnelle Formationswechsel und sehr synchrone Darbietungen.

Auf die Melodie des Evergreens „Aux Champs Élysées“ verkündete der Frauenchor des „Frohsinn“ in schönstem Roterisch „Oh, heit isch so scheee“. Wie beim folgenden „Cordula Grün“ interagierte das Ensemble hervorragend mit dem Publikum und verwandelte die Sitzungsgesellschaft kurzerhand in einen großen Chor.
„Jees, isch des goldig“, entlockte die Charmeoffensive der Minigarde nicht nur einem Gast: Die von Lisann Acker und Nele Beck trainierten Nachwuchstänzerinnen im Alter von 4 bis 6 Jahren hatten den Saal bei ihrer Tanzdarbietung von Anfang an fest im Griff und sorgten für ein erstes Stimmungsbeben zur Musik eines Popmedleys.

Die „Eheselbsthilfegruppe“, auch bekannt als Stammtisch der Jungsänger bestehend aus Stephan und Alexander Linder, Benjamin Heinzmann und Benjamin Speckert sowie Aaron Farinas frotzelte und schäkerte anschließend mit einer ordentlichen Portion Selbstironie über Frauen, Blumen, Flugreisen, Unfälle sowie etwa über die Lokalpolitik, sehr zur Freude des Publikums.

„Leinen los, volle Fahrt“ (Santiano) hieß es für das „Narrenschiff Frohsinn“ beim Auftritt der Seniorengarde, die mit ihrem klassischen Gardetanz Begeisterungsstürme im Publikum auslösten. Perfekt aufeinander abgestimmte Bewegungsabläufe zeichneten die von Lisann Acker und Marie Braungardt einstudierte Performance der jungen Tänzerinnen ab 14 Jahren aus.
Anschließend folgte eine Premiere in der Bütt: Marietta Heinzmann gab als „Frau mit vielen Fragen“ ihr Debüt. „Lewe Verhaida länga odda kummt des denne nur so vor?“ Eine Litanei an Fragen wie dieser brachte das Publikum zum Lachen und Schmunzeln.
Vor der Pause war es die Maxigarde des Frohsinn, die zu einer rockigen Musikauswahl von Sunrise Avenue gekonnt die Bühne bespielte. Trainiert werden die tanzbegeisterten Mädchen im Alter von 6 bis 8 Jahren von Jule und Lara Michenfelder.
Nach der Pause blies mit dem Fanfarencorps Rauenberg dem Publikum den Marsch und lud mit einem Schlagermix zum Tanzen und Schunkeln ein – Die von Hans-Peter Menges dirigierte Formation im „Steam Punk Look“ hatte ein breites Repertoire mitgebracht.
Lisbeth (Gabi Körner) und Hermine (Jutta Müller) hatten im Nachgang daher nur wenig zu putzen und konnten die Zeit für einen Schwatz nutzen. Die Malaisen und Miseren des Alltags bewältigen die Beiden meisterhaft.
Raffinierte musikalische Variationen auf das afrikanische Volkslied „Kumala Vista“ – in Rot als lagerfeuertaugliches Gomela Vista bekannt – brachen sich danach ihre Bahn durch den Raum. Meinte man anfangs noch, man hätte schon alle Spielarten dieses Lieds gehört, überzeugten einen die „Jungsänger“ angeleitet von Christoph Rehorst mit geballter Kreativität vom Gegenteil: Experimente mit Helium oder Megafon bis hin zum „Bier-Stomp“ auf Fässern, Flaschen und Kästen: Ein schwer in Worte zu fassendes Erlebnis für Augen, Ohren und Lachmuskeln.
Eine Zeitreise in die Abba-Ära ermöglichten die „Dancing Queens“ der Juniorengarde mit ihrem Showtanz. Mit authentischen Kostümen ausstaffiert ließen sie ihre Federboas zur Musik der schwedischen Kultband über die Bühne fliegen.
Der Bruder vom leeren Krug (Marius Sandritter) konnte es auch in diesem Jahr als feste Institution nicht lassen, der Festgemeinde die Leviten zu lesen. Mal schreiend mal singend bläute er seinen Schäfchen unter anderem ein, das Wort an sich mehr zu schätzen und seine Wirkung wohl abzuwägen.

Eine fetzige Countrynummer gab es noch mit den „Hot Banditos“: Wie ein „Tornado in my city“ (Beyoncé) fiel das von Melanie Geider und Tobias Fleckenstein trainierte Männerballet im Harres ein und steppte sich die Füße wund, produzierte aber mit dem „Superperforator“ auch jede Menge Klamauk.

Nachdem Eva Freudenberg, Johanna Göft und Christoph Rehorst bereits im ersten Teil eine eigene Version von „Stumblin’In“ zum Besten gegeben hatten, folgte gegen Ende des Programms noch ein „4-Chord-Song“, ein Mix aus verschiedenen Liedern, darunter zahlreiche Gassenhauer, die das Publikum gerne lauthals mitsang.

Einen Eindruck von brasilianischem Karneval vermittelte der letzte Gardebeitrag mit dem Showtanz der Seniorengarde: Aufwändig kostümiert tanzten die glamourösen jungen Tänzerinnen zu lateinamerikanischen Rhythmen in einer von Monat Vetter und Ramona Wittmer einstudierten Choreographie.

Zur bestens passenden Zugabe „Macarena“ fluteten die übrigen Akteure des Abends die Bühne und tanzten den Klassiker gemeinsam mit vielen Gästen mit, bis abschließend die traditionelle Polonaise zum Ausmarsch an die Bar überleitete.
Erwähnenswert ist noch das Begleitungstandem aus Johannes Häffner und Markus Haffner, die den Abend an Klavier und Schlagzeug vertretungsweise musikalisch umrahmten, von ihrem Glück krankheitsbedingt aber erst kurz zuvor erfuhren – Hut ab!
(Text: Tobias Rehorst / Fotos: Gaylina Hecker-Petrova, GV Frohsinn Rot)